Das Segelkanu

Selbst wer "googelt", findet zu diesen Vertretern der Segelei kaum Informationen. Das macht das Projekt "Hugo" nicht gerade einfacher. Während meiner Recherchen konnte ich folgende Informationen herausfinden (keine Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit):

Ursprünglich wurde das Kanu nur gepaddelt. Man erkannte aber bald den großen Vorteil der Seetüchtigkeit dieser schlanken, niedrigbordigen Bootsform - es enstand das Segelkanu. So ist ein Segelkanu kein segelbares Paddelboot, sondern eine richtige Jolle. Trotzdem ist sie dem Deutschen Kanu-Verband zugeordnet.

Das Segelkanu gehört zu den Vertretern der Kleinsegelei mit eleganter, schnittiger Linienführung. Am häufigsten gebaut wurde wohl das 7,5 qm-Segelkanu des Deutschen Kanu-Verbandes. Es gab Rundspant- Knickspant- und Doppelknickspant-Boote. Sie sind 5,20 m lang, sloopgetakelt mit Hochsegel und wurden von einer Person gesegelt. Als Segelzeichen führte die Klasse einen roten Punkt. Typisch für die Boote ist die Spitzgat-Form - die Segelkanus sind vorn wie hinten spitz zulaufend. Es gab eine freie Konstruktionsklasse bei den Segelkanus, die im wesentlichen die Länge des Bootes, die Segelhöhe und Segelfläche vorschrieb. Diese Baubestimmung hatte den Vorteil, daß die unterschiedlichsten Segelkanus gebaut und die jeweils modernsten Erkentnisse im Schwertbootbau übernommen wurden. Die Vielzahl der Typen verhinderte jedoch eine große Ausbreitung und erschwerte Regatten.

In einer Ausgabe der "Yacht" (1951, Heft 6, S.133) ist zu lesen: "Die Bremer haben fünf Jahre nach dem zweiten Weltkriege nach siebzehnjähriger Erfahrung auf diesem Gebiete ein 7,5 qm Renn- und Wandersegelkanu entwickelt, Typ "Bremen" - und damit zweifellos eine gewisse Standardform erreicht, die sich in der Praxis ausgezeichnet bewährt. Das Boot hat "Löffelbug", das Unterwasserschiff keine hohlen Linien, so daß es sich nicht "festklemmt", sondern selbst bei schwerem Wetter trocken fährt. Es ist natürlich mit allen segeltechnischen Finessen ausgestattet, ist leicht, schnell, stabil - und in Verbindung mit einem großen Cockpit ist es nicht nur ein Rennfahrzeug, sondern auch ein ideales Wanderboot. Der Eigner mit Frau und 1-2 Kindern können bequem darin schlafen. Dieses bequeme Cockpit kann selbstverständlich bis auf ein Mannloch abgedeckt werden - was sich aber selbst bei harten Regatten und heftigem Wellengang auf der Unterweser als unnötig erwiesen hat. Kostenpunkt: Fahrbereit ab Bremer Werft an die DM 1000.-."

Auf der Hamme bei Bremen fanden schon 1955 die Deutschen Meisterschaften im 7,5 qm-Segelkanu statt. Allerdings nur mit 10 Booten. 1956 waren es schon 17 Boote aus Bremen, Westfalen und Süddeutschland.
1964/65 wurde der Taifun eingeführt - eine Weiterentwicklung mit Ausreitbrettern, um mehr Gewicht nach "außen" zu bringen. Die Bootsnummern G1 bis G 99 sind 7,5 qm-Segelkanus, ab Boot G 100 sind es Taifune. Der Taifun hat einen Einheitsrumpf, das Lattensegel wurde abgeschafft. So ist in einer Ausgabe der "Yacht" von 1963 zu lesen: "Einstimmig hat der Deutsche Kanu-Verband im Herbst 1963 die Einführung eines Einheits-Segelkanus beschlossen. Die bisherige freie Konstruktionsklasse wird nicht mehr zugelassen. Vorhandene Boote, die nach den Bauvorschriften der freien Konstruktionsklasse erbaut sind, bleiben aber auch weiterhin startberechtigt, jedoch werden Neubauten und grundlegende Umbauten nicht mehr vermessen. Das bezieht sich besonders auf die Besegelung der alten Bootsklasse, die berechtigt ist, die Besegelung der Einheitsklasse zu übernehmen, wenn diese den neuen Vorschriften entspricht. Von dieser Vereinheitlichung verspricht sich der Deutsche Kanu-Verband eine Intensivierung des Kanusegelns auf nationaler und internationaler Ebene."

Eine anderer Entwicklung ist das IC - Interational Canoe, ein Boot mit Gleitsitz, auf dem der Steuermann hin- und her rutschen kann, um das Gewicht zu verlagern. Dieses Boot sieht sehr akrobatisch aus und wird überwiegend in den USA gesegelt. In Deutschland konnte sich das Segelkanu nicht so recht durchsetzen. Doch schon damals wurde beispielsweise in Schweden in 4 verschiedenen Klassen gesegelt.

Daten zu diesem Boot (DKV-Meßbrief vom 16.09.1956):
NameHugo Grömmer
SegelnummerG 26
Klassenationales 7,5 qm Segelkanu
KonstrukteurDKV-Riß Typ Bremen, Mater
ErbauerBootswerft Fricke, Dümmersee
Baujahr1956
SpantformRundspant
BauweiseKarweel
BaumaterialMahagonie
Länge5,20 m
Breite1,29 m
Vorsegel1,42/3,28 qm
Großsegel6,13 qm
verm. Fläche7,55/9,41 qm
Der Konstrukteur des 7,5 qm-Segelkanus vom Typ "Bremen" war Walter Mater. Als gelernter Bootsbauer betätigte er sich in den Nachkriegsjahren nebenberuflich auch als Konstrukteur. Er hatte selber schon vor Kriegsbeginn einen kleinen Bootsbau-betrieb in Bremen betrieben. Später (etwa 1963) entwickelte er ein Motorkanu. 1985 verstarb Walter Mater im Alter von 77 Jahren. Zeichnungen von Kanus, Kanadiern und Regatta-Jollen gingen zu seiner Zeit an etliche Interessenten und Auftraggeber.

Wer noch eine Konstruktionszeichung des Typs "Bremen" hat - für eine Kopie wäre ich sehr dankbar!

Eine intensivere Beschäftigung mit der geschichte der Segelkanus (speziell Entwicklung und Verbreitung in den verschiedenen Ländern) bieten einige Bücher. Wer daran interessiert ist, sollte in meiner Literatur-Liste stöbern.
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