Erste Begegnung

Es begann im April 2005. Eigentlich war ich zu meinen Eltern aufs Land gefahren, um den Geburtstag meines Vaters zu feiern. Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zu einem "Trödler" zwei Orte weiter. Schon vor seinem Verkaufsgebäude wurde ich stutzig - hier stand ein Boot mit großem Segel aufgetakelt auf einem Trailer. Ein zweites viel kleineres Boot mit Hilfssegel stand daneben. Eine sofortige Besichtigung mußte sein - ist man als Angestellte einer renommierten Segelschule geradezu verpflichtet, sich solche Dinge näher anzusehen.

Eine solch merkwürdiges Boot hatte ich vorher noch nie gesehen. Nicht nur der Bug, auch das Heck lief spitz zu. Das Segelzeichen im Groß kannte ich nicht. Völlige Unordnung im Cockpit machte das Erkennen von Einzelheiten schwer (Bild 3). So eine Art Brett konnte befestigt werden - sollte es dem Ausreiten dienen? Ein Vorsegel fehlte - dank der Fockschiene war aber klar, daß es ein Vorsegel gegeben haben muß. Das kleinere Boot war eindeutig ein Paddelboot mit Hilfssegel (Gaffel). Der Händler kam gleich zu uns und meinte, daß der Vorbesitzer von einem sehr schnellen Boot gesprochen hätte - nähere Angaben könne er allerdings auch nicht machen. Bei weiterer Untersuchung war ein Messingschild zu sehen. Doch durch eine dicke Lackschicht war die Schrift kaum zu lesen. Die Entzifferung ergab dann aber doch "Bootswerft Fricke, Lembruch (Dümmer)" - das war immerhin etwas. Der genannte Preis für das Boot ließ uns abwinken. Mein Lebenspartner stellte fest, das die Grundsubstanz des Holzes noch gut sei (er baute zu der Zeit an einem größeren Bootsprojekt).

Zu Hause ließ mich das Gefährt nicht mehr los - was war das nur? Ich suchte nach Klassenzeichen im Internet und in der Fachliteratur. Der rote Punkt im Segel stand für den Taifun; Bilder im Internet ähnelten zwar mit spitzem Heck und Bug, aber es waren doch ganz andere Schiffe. Aus der Werft war mittlerweile "Fricke & Danhus, Lembruch-Dümmer" geworden. Ich schrieb die Werft per E-Mail an. Ich konnte noch in Erfahrung bringen, daß die Taifune teilweise im Kanu-Verband organisiert waren (daher die spitze Form). So schrieb ich die Klassenvereinigung der Taifune ebenfalls eine E-Mail.

Die ersten Informationen

Endlich Rückantwort - natürlich konnte ich es kaum erwarten. Herr Pollman konnte mir den Namen des Bootes und die ehemalige Zugehörigkeit zu einem Verein nennen. Ich begann im "Yacht-Archiv" die Namen des Seglers und des Bootes einzugeben. Es gab tatsächlich Ergebnisse: ein 8. Platz bei einer Regatta. Meine Umwelt meinte schon, daß mir das Boot quasi schon gehöre, soviel Arbeit und Liebe, wie ich in die Recherche steckte. Es wurde langsam klar - ich will das Boot! Im Notfall würde ich den Trailer wieder flott machen und diesen verkaufen; das Boot würde im schlimmsten Fall zum Lernen auseinandergenommen und dann verfeuert. Mit dem Händler ließ sich dann noch vernüftig über einen Preis reden, obwohl eine Anlieferung durch ihn per LKW erfolgen mußte. Voraussetzung: beide Boote mußten gekauft werden!

- wird fortgesetzt -

Neuere Geschichte

Diesen Sommer konnte ich nicht viel machen - es war einfach zuviel zu tun: Arbeit, familiäre Dinge, meine eigene Firma - es ging einfach nicht. Was ich geschafft habe: die Beschläge sind galvanisiert, die Farbe fast komplett vom Rumpf weg, die Bodenbretter und die Seitenbretter sind abgeschliffen. Jetzt muß ein Platz in Berlin her. Das Hin- und Herfahren ist einfach zu aufwendig. Der Platz auf der Werft ist zwar günstig - den Trailer kann ich dort jedoch nicht lassen. Das Bugsieren des Bootes zum Arbeitsplatz auf der Werft ist für mich alleine zu schwierig. Also bringt es letztendlich nicht viel.

Endlich ist es soweit: nachdem mich die Werft im Stich gelassen hat mit dem Liegeplatz; ein anderer Stellplatz auf Dauer einfach zu teuer ist, habe ich nun einen Platz bei einem Freund gefunden. Wenn Hugo endlich in Berlin ist, kann ich besser an dem Segelkanu arbeiten. Leider bricht jetzt zwar der Herbst heran. Aber vielleicht gibt es noch ein paar schöne Tage, an denen ich etwas machen kann.

Die "alte Geschichte" finden Sie hier.
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